Familie Schütz

Wer heute über die großen Volksfeste in Düren und Bad Kreuznach schlendert, der wird den edlen Ausschankwagen „Old-English-Pub“ von Heinz-Gerd Schütz kennen. Ältere Schausteller und Kirmesbegeisterte wissen aber auch, dass die Familie Schütz damals einer der führenden Riesenradbetriebe in Deutschland war. Die Vorfahren der Familie Schütz stammen aus Lich Steinstrass, einem kleinen Ort bei Jülich. Wir blicken jedoch zurück ins Jahr 1942, als Andreas Schütz nach den schweren Kriegswirren aus der Gefangenschaft zurückkehrte. Er lernte seine große Liebe Eleonore kennen, die er später heiratete. Die jungen Schausteller, die später Kreuzau bei Düren ein neues Zuhause fanden, machten sich einem Süßwarengeschäft selbstständig und bereisten mittlere und große Festplätze in Nordrhein-Westfalen. Anfang der 50er-Jahre wechselte man die Branche und beschickte die Kirmessen mit einer Großverlosung mit 16 m Front. Mitte der 50er-Jahre entschloss man sich das erste gebrauchte Holz-Riesenrad zu kaufen, mit dem die Firma Biermann aus Soest lange Jahre auf der Reise war. Andreas Schütz erkannte schnell den lukrativen Betrieb eines Riesenrades und brachte bereits 1963 das erste Stahlrad aus holländischer Produktion mit 20 Gondeln auf die Volksfeste. Mitte der 60er-Jahre wuchsen die Riesenräder in die Höhe und auch Andreas Schütz musste sich Gedanken über ein größeres Rad machen. Ende der 60er-Jahre begann man dann mit dem Bau eines fast 40 m hohen Stahlrades, das bei der Bavaria Maschinenbau in Ulm unter Mitwirkung unterschiedlicher Zulieferer realisiert wurde. Die langen Gittermast-Stützen wurden beispielsweise von der Kranbaufirma Liebherr geliefert, die 32 Gondeln baute die bekannte Firma Ihle. Die Premiere des hohen Stahlrussen, mit dem man vor allem dem damals führenden Riesenrad-Unternehmen Steiger einen Wettstreit bieten wollte, fand auf dem Ulmer Volksfest im Juli 1971 statt. Fortan drehte sich das hohe Riesenrad der Firma Schütz auf Top-Plätzen wie Rosenheim, Düren, Hof, Mannheim, Freiburg, Crailsheim, Karlsruhe, Wiesbaden und Darmstadt in die Höhe. Nach dem viel zu frühen Tod von Andreas Schütz im Jahr 1977 fuhren die beiden einzigen Söhne Heinz-Gerd und Peter bis 1979 mit dem Riesenrad durch die Bundesrepublik. Verschiedene Gründe führten allerdings dazu, dass man Ende der 70er-Jahre das Geschäft mit dem Riesenrad aufgeben musste. Nach dem Verkauf drehte es sich noch lange Jahre im damaligen Traumlandpark in Bottrop-Kirchhellen. Heinz-Gerd Schütz zeigte daraufhin – in Kooperation mit Fritz Kinzler – den „Super-Loop“ aus der holländischen Schmiede von Vekoma. Da die Attraktion von der im gleichen Jahr herausgebrachten Huss-Novität „Ranger“ quasi von den Plätzen verdrängt wurde, verkaufte man den „Super-Loop“ zum Ende der Saison 1982 an einen Schausteller im Wiener Prater. Im Folgejahr ließen sich Heinz-Gerd Schütz und seine Frau Brigitte, die nach schwerer Krankheit im Februar 2006 verstarb, bei der Firma Mack den noch heute aktuellen Ausschankwagen „Old-English Pub“ bauen. Ein weiteres Standbein kam mit dem „Bühnen- und Toilettenverleih“ hinzu. Den „Hüttenzauber“, ein weiteres Ausschankgeschäft der Familie Schütz, wurde erstmalig zum Dürener Weihnachtsmarkt 1998 präsentiert und gehört seitdem zu einer beliebten und bekannten Anlaufstelle für viele Weihnachtsmarktbesucher in Düren. Wer versucht an den beliebten Tagen einen Platz in der Hütte zu ergattern wird schwer enttäuscht sein, sind die Plätze rar und heiß begehrt. Der einzigartige Charme der Einrichtung und das freundliche, familiäre Team machen jeden Aufenthalt zu einem Genuss. Andreas Schütz jüngster Sohn Peter beschickte nach der Riesenrad-Ära die Festplätze mit dem „Bayernman Express“ von Mack (Blauer Enzian). Heute bereist er mit einem modernen Schießwagen vornehmlich bayerische Volksfeste und gastiert damit jedes Jahr auf dem Münchner Oktoberfest.